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Domschatz Essen bekommt Zuwachs!

Mittelalterliche Elfenbeinmadonna als Dauerleihgabe

 

Die kleine Elfenbeinmadonna aus dem Besitz der Barmherzigen Schwestern von der hl. Elisabeth zu Essen bekommt im Marienmonat Mai ein neues Zuhause. Der Essener Domschatz erhält die knapp 6 cm hohe Figur als Dauerleihgabe.

Die innige Darstellung von Gottesmutter und Kind entstand am Anfang des 13. Jahrhunderts. Maria thront in einer eher strengen Haltung, doch liebevoll hält sie das Füßchen des Kindes. Das Jesuskind auf ihrem Schoß schmiegt sanft die Hand an das Kinn der Mutter und richtet den Blick in die Ferne. Die Vertrautheit von Mutter und Kind zeigt, dass dieses Kunstwerk einst für eine sehr persönliche Marienverehrung gedacht war. Eine Besonderheit hält die Figur auf der Rückseite versteckt. In einer rechteckigen Öffnung wurden einst Heiligenreliquien bewahrt. Diese sowie die Verschlussplatte sind nicht mehr erhalten.

 

Die Geschichte des zierlichen Kunstwerkes lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Möglicherweise stammt die kleine Madonna ursprünglich aus dem Essener Frauenstift bevor sie über mehrere Stationen ins heutige Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern von der hl. Elisabeth in Essen-Schönebeck gelangte.

Erstmals ist die Madonnenfigur im Beginenkonvent „Zum Zwölfling“ zu vermuten, eine religiöse Gemeinschaft, die um 1300 in Essen auszumachen ist. Nach dessen Auflösung hat die Figur einen wechselvollen Weg. Die kleine Madonna kommt mit weiteren Kostbarkeiten zunächst zum Kloster „Im Turm“ und schließlich ins Kapuzinerkloster, dem ersten Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern. Die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern, die seit 1843 besteht, war besonders in der Krankenpflege und der Armenfürsorge tätig sowie Träger vieler Krankenhäuser in Essen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die kleine Elfenbeinmadonna lange Zeit am Altar der Kapelle des Essener Elisabeth-Krankenhauses ihren Platz fand. Es war die erste Klinik der Stadt, die von den Barmherzigen Schwestern gegründet wurde, und dort befand sich ab 1912 das Mutterhaus. Als das Mutterhaus der Barmherzigen Schwestern von der hl. Elisabeth 2016 von Schuir nach Schönebeck umsiedelte, sah man die Gelegenheit eine Ausstellung zur Geschichte des Konventes zu realisieren. Initiator und Ausstellungsorganisator Stephan Kube sah die Elfenbeinmadonna und erkannte ihren Wert. „Den notwendigen konservatorischen Schutz und die Beachtung, die das Stück verdient, kann nur in einem Museum realisiert werden“, so Kube, der dann gemeinsam mit der Generaloberin Schwester Diethilde den Kontakt zum Essener Domschatz aufnahm.

 

Als Dauerleihgabe erhält die kleine Madonnenfigur im Essener Domschatz einen passenden Platz und wird – wie ursprünglich gedacht – weiterhin in einem kirchlichen Kontext bewahrt. Auch Andrea Wegener, kommissarische Leiterin der Schatzkammer, freut sich sehr. „Es ist ein großes Glück für uns, dass uns Schwester Diethilde die kleine Figur als Dauerleihgabe anvertraut. Denn dass eine eigentliche geschlossene Sammlung noch Zuwachs bekommt, ist durchaus etwas Besonderes“. Denn der Domschatz ist nicht als klassisches Museum zu verstehen, sondern bewahrt die Schatzstücke, die einst zum Essener Frauenstift gehörten und bis heute teils im Gottesdienst benutzt werden.

 

Foto: Generaloberin Schwester Diethilde und Dompropst Thomas Zander. (c) Domschatz Essen