Muxx – Die Dommaus erzählt
Hallo Kinder!
Ich bin Muxx, die Dom-Maus des Essener Doms. Dass ich im Dom wohne, ist nichts Neues. Ich bin schon vor einigen Jahren entdeckt worden. Da lief ich ausgerechnet dem Fotografen Martin Engelbrecht vor die Kamera. Aber trotzdem wusste bisher keiner Genaueres über mich. Aber heute werde ich das Geheimnis lüften und ein wenig über mich und meine Familie erzählen.
Meine Familie gehört zum Stamme der Kirchenmäuse. Schon seit über 1000 Jahren wohnen wir auf diesem Flecken. Um 850 n. Chr., also vor fast 1200 Jahren, waren wir noch einfache Feldmäuse. Dann aber zogen wir um in die kleine Kirche der Frauen, die sich hier angesiedelt hatten. Die Frauengemeinschaft hieß übrigens Stift, seltsamer Name, nicht? Auf jeden Fall war das für uns ein großer Aufstieg von der Feld- zur Kirchenmaus! Alle anderen Feldmäuse haben uns beneidet.
Allerdings brachte das neue Leben auch einige Veränderungen für uns. Denn im Essener Stift lebten ja nur Frauen. Deshalb durften auch in der Kirche des Stiftes nur Mäusefrauen leben. Diese Trennung ist für Mäuse sehr ungewöhnlich!!! Unsere Männer lebten anfangs im Dorf Astnide (so hieß Essen damals noch). Später zogen sie in die Taufkirche St. Johann um. Richtig adelig wurden wir Mäusefrauen einige Jahrhunderte später, als unsere Äbtissin Reichsfürstin wurde. Denn dadurch wurde unsere Stiftskirche zur Hauptkirche des Fürstentums Essen. Darauf waren wir natürlich mächtig stolz. Schnell haben wir uns umbenannt in das Geschlecht der reichsfreien Münstermäuse der Muxxe. Der Adelstitel wurde nur an die Töchter weitergegeben, das war eine praktische Regelung.
Es war eine wundervolle Zeit damals. Ich könnte viele Geschichten erzählen, die in meiner Familie seit Generationen weiter gegeben werden: von Bischof Altfrid, dem Gründer von Stift und Stadt Essen, von den Prinzessinnen Mathilde und Theophanu, die so herrliche goldene Schätze anfertigen ließen, ach, von so vielen Äbtissinnen, die hier in Essen das Sagen hatten – und wie!!! Da schlotterten alle Männer nur so mit den Knien.
Aber dann war es irgendwann vorbei mit der reichsfreien Münstermaus. Denn die furchtbaren Franzosen kamen, die keinen Respekt vor Kirchen hatten. Und danach kamen die Preußen, und die haben unser schönes altes ehrwürdiges Stift einfach aufgelöst. Könnt ihr euch das vorstellen? Das war nun schon für die Stiftsfrauen furchtbar. Aber für meine Urururgroßmütter war es eine Katastrophe – wir stiegen wieder ab zu ganz normalen Kirchenmäusen. In diesem Zustand haben wir uns über 150 Jahre mehr schlecht als recht durchgemausert.
Aber 1958 ging es dann wieder bergauf. Denn da wurde unsere Münsterkirche zum Dom des neuen Bistums Essen ernannt. Hatte es sich also doch gelohnt, nicht auszuwandern. Jetzt waren wir Dom-Mäuse, wenn auch nicht adlig, aber immerhin! Denn Dome gibt’s ja so viele nicht. Seitdem sind wir wieder etwas Besonderes. Es gibt sogar ein Muxx-Denkmal im Kreuzgang des Domes. Da findet man eine Muxx von Muxxe in Stein gehauen an einer Wand. Ja, da staunt ihr was?
Aber ich habe euch doch gleich gesagt, wir Muxxe sind eben keine normalen Mäuse, sondern Dom-Mäuse – und das ist schon was unter Mäusen.
Übrigens – die Trennung von Mäusefrauen und Mäusemännern haben wir beibehalten. Im Dom leben immer noch nur weibliche Mäuse und in St. Johann die männlichen Mäuse – dann gibt’s auch keinen Streit!

