Neues Buch über Schätze des Essener Frauenstiftes vor zahlreichen Besuchern vorgestellt
Anregende Vorträge versprechen Lesevergnügen
Der Essener Dom und seine Domschatzkammer sind ein ganz bedeutender Erinnerungsort für Europa. Denn das Frauenstift, zu dem die Münsterkirche früher gehörte, und seine Schätze belegen und erinnern an eine kulturelle Blüte schon zu einer Zeit, die weit in die Geschichte zurückgeht. Bei der öffentlichen Buchvorstellung vor über 60 Zuhörern am Montagabend im Altfridsaal des Kreuzganges der Domkirche fand Dr. Michael Schlagheck, Direktor der Kath. Akademie des Bistums Essen, zukunftsweisende Worte, obwohl er die Vergangenheit Essens in den Blick nahm. Und Schlagheck muss es wissen, ist er doch der Beauftragte des Bistums Essen für die Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Genau bei der Frage von Kultur und Identität für die Region komme man immer wieder zum Frauenstift, das für die Geschichte Essens so wichtig gewesen sei. Schlagheck, Dr. Birgitta Falk, Leiterin der Domschatzkammer, und Professor Dr. Thomas Schilp, Universität Duisburg-Essen, präsentierten in einer anregenden Veranstaltung als Herausgeber den 5. Band zur Erforschung des Frauenstiftes, der sich allein mit den Schätzen des Frauenstiftes beschäftigt. "... wie das Gold den Augen leuchtet. Schätze aus dem Essener Frauenstift" - so deshalb auch der klingende Titel des noch druckfeuchten Buches, das beim Klartext Verlag erschien. Es trägt auf über 300 Seiten die vielfältigen Forschungen unterschiedlicher Fachdisziplinen zusammen, die im vergangenen Jahr auf einer Tagung in der Kath. Akademie Die Wolfsburg vorgestellt wurden.
Der transdisziplinäre Ansatz als Herangehensweise, so betonte Professor Schilp, Fachmann für mittelalterliche Geschichte, zeige die vielen Facetten des Essener Schatzes. Noch heute sei der Essener Schatz ein "lebender Schatz", der nicht nur museal ausgestellt, sondern - wie die "Goldene Madonna" - immer noch ein Gegenstand der Frömmigkeit und der Andacht sei. "Mit diesem Buch bringen wir den Essenern und den Menschen des Ruhrgebietes etwas, das sie selbst schon besitzen."
Dass zu diesem Besitz neben den vielfach bekannten und berühmten Stücken aus der ottonischen Zeit auch eher unscheinbare, aber dennoch aussagekräftige Stücke gehören, zeigte Dr. Falk an Bildbeispielen: unscheinbare Bleikästchen, in denen die Reliquien von Heiligen in den früher so zahlreichen Altären des Essener Münsters aufbewahrt wurden, Armreliquiare, französische Schmuckbroschen aus der Zeit um 1400, von denen es weltweit nur 20 Stücke gebe, 16 alleine davon in Essen. Falks Vortrag machte Lust auf mehr, denn natürlich konnte sie die unterschiedlichen Untersuchungen des Buches nur anreißen. Interessiert folgten die Zuhörer auch den Überlegungen von Sonja Hermann zum Lesen von Inschriften und versuchten sich sogar selbst am mühsamen Entziffern. Schwierig aber, weil der mittelalterliche Goldschmied wohl selbst des Schreibens unkundig war und deshalb manche Fehler eingraviert hatte.
Glockenkundler und Theologe Jan Hendrik Stens, nach langem Ausharren im Stau doch noch pünktlich eingetroffen, erstaunte das Publikum zum Abschluss des Abends mit einem Vortrag, der nicht nur Größe und Umfang der Essener Münsterglocken in Zentimetern angab, sondern auch alle Schwingungen und Intervalle halbtongenau angeben konnte. Den Gesichtern der Zuhörer war abzulesen, dass nicht alle dies bei den Hörbeispielen nachvollziehen konnten. Aber lauschen konnten sie - mit einem Glas Wein in der Hand - dem abendlichen Glockenkonzert im Kreuzgang, das Stens extra für die Besucher anstimmte, als schöner Ausklang einer ungewöhnlichen Buchpräsentation.
Das neue Buch ist ab sofort an der Kasse der Domschatzkammer, im Buchhandel und bei der Kath. Akademie Die Wolfsburg erhältlich.
Birgitta Falk/Thomas Schilp/Michael Schlagheck (Hg.): … wie das Gold den Augen leuchtet. Schätze aus dem Essener Frauenstift. Essener Forschungen zum Frauenstift, Band 5, Essen Klartext Verlag 2007, 316 Seiten, über 120 Abb., 24,95 €, ISBN 978-3-89861-786-4

