10 Chorraum
Vor dem Mittelfenster des Chorraumes erhebt sich eine etwa fünf Meter hohe Marmorsäule, deren Schaft auf einem Kalksteinuntersatz steht. Kapitell und Untersatz wurden im 11. Jahrhundert antiken Vorbildern nachempfunden, der Säulenschaft hingegen ist antiken Ursprungs. Die Säule wurde wahrscheinlich schon vor der ersten Jahrtausendwende im Essener Münster aufgestellt.
Im Sinne einer Triumphsäule wird die Säule heute von dem modernen Kreuz der Benediktinerin Lioba Munz überhöht, das 1968 geschaffen wurde. Es wächst aus einer geschmiedeten Blattknospe hervor und verzweigt sich in vier Blättern, die kreuzförmig um eine antike Glasschale angeordnet sind. So ist das Kreuz Sinnbild des Lebensbaumes.
Das erste Kreuz auf der Säule war ein goldenes Kreuz, dessen Inschriftentafel sich bis heute in der Schatzkammer erhalten hat. Beauftragt wurde es demnach von einer Äbtissin Ida. Sowohl im 10. als auch im 11. Jahrhundert hat es eine Äbtissin mit diesem Namen gegeben. Die Datierung der Inschriftenplatte macht wahrscheinlich, dass die Ida des 10. Jahrhunderts die Auftraggeberin war. Als Ersatz für das wohl beschädigte erste Kreuz wurde gegen Ende des 15. Jahrhunderts ein silbernes Kreuz geschaffen, das heute auch in der Schatzkammer aufbewahrt und als Kapitelskreuz an hohen Feiertagen verwendet wird. Reliquien, die sich im ersten Kreuz befanden, wurden in das Silberkreuz übernommen.
Ursprünglich stand die Säule hinter dem Kreuzaltar in der Vierung der Kirche. Sie wurde 1775 zusammen mit dem Altar entfernt. Dabei zerbrach sie. Erst 1852 fand sie einen neuen Platz im Westbau der Münsterkirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie an ihren heutigen Aufstellungsort in den Chor gebracht.
Um die Kreuzessäule rankt sich eine beliebte Essener Sage.
Die aus Holz geschnitzten und bemalten, lebensgroßen Skulpturen der Stiftspatrone Cosmas und Damian an den Chorpfeilern schuf Meister Tilmann Heysacker, genannt Kranendonck, aus Köln um 1500.
Das reich geschmückten, grün-weiße Chorgestühl aus dem 18. Jahrhundert wurde ursprünglich für die heutige Anbetungskirche geschaffen. In ihm nimmt das Domkapitel an den Gottesdiensten teil.



